
Schon der Dichter Johann Wolfgang von Goethe schwärmte von
der Schönheit des Thüringer Waldes. Gerne besuchte er
das waldreiche Mittelgebirge, um zu wandern und den weiten Blick
von den Höhen zu genießen. Mitten in Deutschland erstreckt
sich von der Werra bis zur Saale der langgezogene, fast 1 000 Meter
hohe Bergrücken, der von zahlreichen Tälern durchschnitten
wird. Markante Markierungspunkte sind im Nordwesten die Wartburg
oberhalb von Eisenach und im Südosten die Heidecksburg auf
einer Anhöhe in Rudolstadt. Der Thüringer Wald ist mit
dem Thüringer Schiefergebirge rund 110 Kilometer lang und bis
zu 30 Kilometer breit. Am Nordrand liegen wie eine Perlenkette in
fast gleichen Abständen von rund 25 Kilometern die sehenswerten
Städte Eisenach - Gotha - Erfurt - Weimar und Jena. Im Süden
sind die bekanntesten Ortschaften Schmalkalden - Suhl - Sonneberg
und Saalfeld.
Die markanteste Erhebung im Thüringer Wald ist der 916 Meter
ü.d.M. hohe Inselsberg, der bei klarer Sicht einen weiten
Rundblick ermöglicht. Wer den teilweise mühsamen Aufstieg
scheut, kann vom Parkplatz Grenzwiese aus die Höhe mit dem
„Inselsberg-Express“ erreichen. Die höchsten
Erhebungen aber sind mit 982 Metern ü.d.M. der Große
Beerberg und mit 978 Metern ü.d.M. der Schneekopf.
Die Städte und Dörfer des Thüringer Waldes liegen
teils verstreut an den Ausläufern, teils in schützenden
Tälern und sogar bis in die Hochlagen zwischen 800 und 900
Metern. Zu allen Jahreszeiten hat das Mittelgebirge seine besonderen
Reize. So abwechslungsreich wie die Landschaft so vielfältig
sind die sportlichen und kulturellen Freizeitangebote. Zu Lande,
in Höhlen und Schaubergwerken unter der Erde, zu Wasser und
in der Luft kann man die Facetten dieser Region kennen lernen.
Das Angebot reicht vom stillen Schauen und Genießen bis
zum aktiven Tun. Auch für die Kinder gibt es viel zu sehen
und zu erleben.
Traditionelle Handwerkskunst
In Museen und modernen Fertigungsstätten sind die Erzeugnisse
der traditionellen Handwerkskunst des Thüringer Waldes aus
Vergangenheit und Gegenwart zu sehen.
Die Stadt Suhl gilt seit Jahrhunderten als die Waffenschmiede
Europas. Noch heute entstehen in Handarbeit Präzisionswaffen,
die bei Jägern und Sportschützen geschätzt sind.
Als Symbol dieses Handwerks steht auf dem Marktplatz das Denkmal
des Waffenschmiedes. Einige der kunstvollsten Waffen sind im Suhler
Waffenmuseum ausgestellt.
Der Name der Stadt Sonneberg wird in Verbindung mit fantasievollem
Kinderspielzeug genannt. Das Spielzeugmuseum lässt nicht
nur Kinderaugen leuchten. Spielzeug aus allen Teilen der Welt
aus unterschiedlichen Materialien wie z.B. Puppen, Plüschtiere,
Blech- und Holzspielzeug und Modelleisenbahnen werden einem staunenden
Publikum präsentiert.
Lauscha kann auf eine 400-jährige Glasbläsertradition
zurückblicken. Das Museum für Glaskunst zeigt Gebrauchs-
und Kunstgegenstände aus diesem Zeitraum. In einer Glashütte
kann man die Tätigkeit des Glasbläsers vor offener Flamme
oder dem Ofen verfolgen. Besonders geschätzt werden die kunstvollen
Christbaumkugeln.
Kahla nennt sich gerne Porzellanstadt. In der Leuchtenburg östlich
des Ortes wird im Porzellankabinett eine Sammlung zur Geschichte
des Porzellanhandwerks und der Porzellanindustrie gezeigt.
Historische Bahnen
Eines der reizvollsten Täler des Thüringer Waldes ist
das Schwarzatal. Von der Station Obstfelderschmiede aus startet
nach Fahrplan die 1923 erbaute Standseilbahn mit einer Spurweite
von 1,80 Metern zum 320 Meter höher gelegenen Ort Lichtenhain.
Dabei wird eine Steigung von 25 % bewältigt. Von dort fährt
ein nostalgischer Triebwagen auf ebener Strecke nach Corsdorf.
Freizeitaktivitäten
Wandern
Der Thüringer Wald mit dem angrenzenden Thüringer Schiefergebirge
ist von rund 6 000 Kilometern markierten Wanderwegen durchzogen.
Der berühmteste von ihnen ist der 168,3 Kilometer lange Rennsteig.
Die mit einem großen „R“ gekennzeichnete Route
führt von Hörschel bei Eisenach über den Kamm des
Thüringer Waldes mit dem Inselsberg und dem Großen
Beerberg bis nach Blankenstein an der Saale. Die Route wird von
guten Wanderern in fünf bis sieben Tagen bewältigt.
Ausreichende Übernachtungsmöglichkeiten sind vorhanden.
Rund 1 300 Steine markieren den Weg. Viele von ihnen tragen die
Initialen von Fürstentümern und Kleinstaaten aus der
Vergangenheit. Die Dreiherrensteine stehen an Stellen, wo sich
drei verschiedene Territorien trafen.
Weitere bekannte Wege sind der mit einem doppelten „R“
ausgezeichnete Rhön-Rennsteigweg und der Goethe-Wanderweg
zwischen Ilmenau und Stützerbach. Zusätzlich gibt es
von jedem Ort des Thüringer Waldes aus beschilderte Rund-
und Streckenwanderwege mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden.
Wanderkarten mit teilweise detaillierten Beschreibungen helfen
bei der Orientierung. Ein interessantes Angebot für mehrtägige
Touren ist „Wandern ohne Gepäck“.

Radwandern
Für sportliche Radfahrer ist die gebirgige Landschaft des
Thüringer Waldes eine Herausforderung. Belohnt werden alle
Anstrengungen mit dem Erleben einer malerischen Landschaft. Parallel
zum Wanderweg Rennsteig ist ein ausgewiesener Radwanderweg vorhanden,
der alle Orte des Höhenwanderweges berührt.
Schiffsausflüge und Wassersport
Die Bleiloch- und die Hohenwarte-Talsperre im östlichen Teil
des Thüringer Waldes bilden zusammen mit drei kleineren Staustufen
die größte Staukaskade in Deutschland mit einer Länge
von rund 80 Kilometern. Die Pumpspeicherwerke Hohenwarte II und
Bleiloch können nach Voranmeldung besichtigt werden. Von
der Staumauer der Hohenwarte-Talsperre und von der Staumauer der
Bleiloch-Talsperre bei Saalburg aus starten in den Sommermonaten
Fahrgastschiffe zu Rundfahrten. Die Bleiloch-Talsperre mit einer
250 Meter langen und 65 Meter hohen Staumauer ist der größte
Stausee in Deutschland. Die großräumige Wasserfläche
ist ein ideales Revier für Wassersportler.
Wintersport
Die Hochlagen des Thüringer Waldes zwischen 800 und 900 Metern
sind mehrere Monate lang von Schnee bedeckt. Naturfreunde nutzen
gerne die geräumten Wanderwege oder genießen die winterliche
Landschaft bei einer Schlittenfahrt. Skiwanderer finden hervorragende
Bedingungen vor. Für Langläufer sind viele Kilometer
Loipen gespurt. Der 168,3 Kilometer lange Rennsteig ist in den
Wintermonaten die längste zusammenhängende Loipe der
Welt. Viele Orte bieten Abfahrtsstrecken mit Skiliften an. Skischulen
gibt es für Anfänger und Fortgeschrittene.
Das Wintersportzentrum des Thüringer Waldes ist Oberhof.
Mit seiner Höhe von 825 Metern ü.d.M. bietet es aktiven
Wintersportlern ideale Bedingungen. Auch Zuschauer kommen auf
ihre Kosten. Der Ort ist Austragungsort von Weltcup-Veranstaltungen
im Skispringen, im Biathlon und im Rodeln. Wer gerne die Atmosphäre
einer Bobfahrt erleben möchte, kann mit einem Pilot eine
Fahrt mit einem Gästebob durch den Eiskanal unternehmen.
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