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Das Mittelgebirge des Teutoburger Waldes liegt inmitten der Region Ostwestfalen. Seinen hohen Bekanntheitsgrad hat der langgestreckte, bewaldete Bergrücken durch die berühmte Schlacht im Jahre 9 n.Chr. gewonnen, als die Cherusker unter Leitung ihres Anführers Hermann die Römer vernichtend geschlagen haben. Bekannt ist der Teutoburger Wald auch durch eine Reihe von Heilbädern und Kurorten, die am Fuße des Mittelgebirges liegen. Die Namensgebung „Ostwestfalen“ ist kurios. Denn es gibt zwar ein Westfalen, aber kein Ostfalen. Es gibt die Region Ostwestfalen, aber kein klar abgegrenztes Gebiet von Nord-, West- oder Südwestfalen. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand aus den beiden Territorien Westfalen und Niederrhein das flächenmäßig größte und bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein – Westfalen in der Bundesrepublik Deutschland.

Teutoburger Wald – Mittelpunkt der vielseitigen Landschaft von Ostwestfalen

Das Kernstück von Ostwestfalen bildet der rund 150 Kilometer lange Kamm des Teutoburger Waldes. Das Mittelgebirge ist gleichzeitig Wasserscheide zwischen dem Rhein mit seinem bedeutenden Nebenfluss Ems und der Weser. Zu beiden Seiten des Gebirges bilden landschaftlich unterschiedliche Gebiete die Region von Ostwestfalen: Im äußersten Norden erstrecken sich das Osnabrücker Land und das Tecklenburger Land. Weiter östlich liegt zur norddeutschen Tiefebene hin der Mühlenkreis Minden – Lübbecke, der von der Weser begrenzt wird. Südlich davon beginnt das nach einem Sachsenherzog benannte Wittekindland. Das Wiehengebirge bildet den geographischen und die alte Hanse- und Reichsstadt Herford den wirtschaftlichen Mittelpunkt. Im Südosten befinden sich das Lipperland und das Weserbergland. Das ehemalige Fürstentum Lippe konnte viele Jahrhunderte lang seine Eigenständigkeit bewahren. Westlich des Teutoburger Waldes geht die von zahlreichen Wander- und Radfahrwegen durchzogene, parkähnliche Landschaft des Ravensberger Landes mit dem Zentrum Bielefeld allmählich in das Münsterland über. Südlich davon beginnt das Paderborner Land mit seinen sandigen Heideflächen, die zu Karsthochflächen und dem Eggegebirge ansteigen. Um die alte Bischofs- und junge Universitätsstadt Paderborn gibt es ein dichtes Netz von Wander- und Radwegen. Östlich davon erstreckt sich zur Weser hin das Corveyer Land, das seinen Namen von dem bedeutenden Klosterbau mit dem karolingischen Westwerk erhalten hat.



Teutoburger Wald – Gebiet einer reichen Geschichte

Der Teutoburger Wald kam um die Zeitenwende in das Scheinwerferlicht der Geschichte. Schuld daran waren die Römer, die ihr Kaiserreich immer mehr vergrößern wollten. Diesem Tun wurde im oder am Teutoburger Wald durch die Cherusker ein „Halt“ gesetzt. In den folgenden Jahrhunderten ließen sich zunächst die Sachsen und dann die Franken häuslich nieder. Auch das geschah nicht ohne kriegerische Auseinandersetzungen. Ende des 8. Jahrhunderts unterwarf der Frankenherzog Karl die Sachsen. Der spätere deutsche Kaiser ging als Karl der Große in die Geschichte ein. Im ausgehenden Mittelalter erlebte die Region eine wirtschaftliche Blütezeit durch den intensiven Handel der Hansestädte. Ein furchtbarer Einbruch erfolgte durch den Dreißigjährigen Krieg. Für wenige Jahre gab es zu Beginn des 19. Jahrhunderts das Königreich Westfalen. Es wurde auf Befehl des französischen Kaisers Napoleon Bonaparte gegründet. Herrscher des Landes wurde Jérôme, der leibliche Bruder des Kaisers. Er hielt nicht viel vom Regieren. Lieber feierte er ausgiebige Feste. Als sein „großer“ Bruder mit seinen Eroberungszügen gescheitert war, verschwand auch das Königreich Westfalen wieder von der Landkarte. Einen neuen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte die Region im Zeitalter der beginnenden Industrialisierung. Bis heute sind zu beiden Seiten des Teutoburger Waldes weltbekannte Firmen angesiedelt.

Teutoburger Wald – Land der Fitness und Wellness

Der Teutoburger Wald ist ein beliebtes Wandergebiet. Von allen Ortschaften aus führen Rund- und Streckenwanderwege durch die weiten Mischwälder. Der Hauptwanderweg des Teutoburger Waldes ist der 156 Kilometer lange Hermannsweg, der mit einem weißen „H“ markiert ist. Dieser Kammweg beginnt (oder endet) in Rheine und berührt auf seinem Weg Hörstel – Tecklenburg - Bad Iburg – Borgholzhausen – Bielefeld – Oerlinghausen – Hermannsdenkmal und endet am Velmerstot bei Horn – Bad Meinberg. Die überregionalen Radwanderwege sind oft unter einem Thema angelegt worden. Der bekannteste ist die Westfälische Mühlenstraße mit einer Gesamtlänge von insgesamt 320 Kilometern. Die Strecke verbindet rund 40 von Wind, Wasser, Pferden oder Motoren angetriebene Mühlen. Das ist die größte Anzahl von betriebsbereiten Mühlen unterschiedlicher Bauart in Deutschland. Die Mühlen dokumentieren die Entwicklung eines traditionsreichen Handwerks. Weitere bekannte Strecken sind der Fernradweg „R 1“ von Höxter nach Holland und die „Römer-Route“, die zwischen Detmold und Xanten historische Orte aus der Römerzeit miteinander verbindet. Zur Erhaltung oder Wiederherstellung der Gesundheit entstanden am Rande des Teutoburger Waldes eine Reihe von Heilbädern und Kurorten. Durch die Erschließung und Anwendung von eisen- und solehaltigen Quellen, sowie Mineralbrunnen und Schwefelmoor ist vielen Menschen geholfen worden. Es wurden repräsentative Kureinrichtungen und vornehme Kurhäuser gebaut. In einigen Kurorten – Bad Oeynhausen und Bad Pyrmont –kurten bereits Monarchen und Staatsführer.

Teutoburger Wald – Landschaft voller Naturschönheiten

Ein beliebtes Ausflugsziel sind die Externsteine. Die Gruppe der bizarren und verwitterten Sandsteinfelsen ist bis zu 37 Meter hoch. Sie entstanden gegen Ende der Eiszeit, als das Schmelzwasser die weicheren Schichten wegspülte und die härteren erhalten blieben. Die Felsen können über einen Treppenweg bestiegen werden. Einst waren sie eine altgermanische Kultstätte. Später bauten Benediktinermönche in den Felsen zwei Grottenkapellen. Ein in den Stein gemeißeltes Relief zeigt die Kreuzabnahme Jesu. Es stammt aus der Zeit um 1125 und ist eines der größten Reliefs seiner Zeit.

Teutoburger Wald – Region mit alten Städten und historischen Sehenswürdigkeiten

Die ältesten Städte am Teutoburger Wald – z.B. Paderborn - können auf eine mehr als 1 000-jährige Geschichte zurückblicken. In der heutigen Bischofs- und Universitätsstadt Paderborn trafen im Jahr 799 der spätere Kaiser Karl der Große und Papst Leo III. zusammen. Aus dieser Zeit stammen die erhaltenen Teile der karolingischen Kaiserpfalz. Der Dom und zwei Kirchen jeweils aus dem 11. Jahrhundert prägen das Bild der Innenstadt. Mehr als 500 Jahre ländliches Leben werden im Westfälische Freilichtmuseum am Rande des Teutoburger Waldes dargestellt. Auf dem Gelände stehen Gebäude mit originaler Ausstattung. Zu den mehr als 100 Höfen und Häusern gehören der Kotten eines armen Tagelöhners und das prächtige Wohnhaus eines wohlhabenden Schnapsbrenners.


Teutoburger Wald – Ort des Hermannsdenkmals

Eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten im Teutoburger Wald ist das Hermannsdenkmal. Der Architekt und Bildhauer Ernst von Bandel veröffentlichte im Jahr 1819 Pläne zur Errichtung einer Gedenkstätte zur Erinnerung an die legendäre Römerschlacht im Teutoburger Wald. Aber erst rund zwanzig Jahre später - im Jahr 1838 - wurde mit dem Bau des Denkmals auf der Grotenburg am Stadtrand von Detmold begonnen. Die Gesamthöhe vom Fuße des Sockels bis zur Schwertspitze beträgt 53, 46 Meter. Die grün schimmernde Bronzefigur ist mit annähernd 27 Metern fast genau so hoch wie der Unterbau aus Sandstein. Sie stellt den Cheruskerfürsten Hermann (oder Arminius) mit siegreich erhobenem Schwert dar. Unter seiner Führung sind nach der bekannten Version die Römer in der historischen Schlacht des Jahres 9 besiegt worden. Über die wirklichen Ereignisse im Sommer des historischen Jahres 9 nach Christi Geburt gibt es mehr Spekulationen als klare Beweise. Eindeutig ist nach geschichtlichen Überlieferungen, dass der germanische Stamm der Cherusker um die Zeitenwende zwischen Teutoburger Wald und Elbe lebte. Als die Römer versuchten, ihr Herrschaftsgebiet immer weiter nach Nordosten auszudehnen, kam es zwangsläufig zum Konflikt mit den ansässigen Cheruskern. Ein bekanntes Lied beschreibt die Situation mit dem Satz: „Als die Römer frech geworden, zogen sie nach Deutschlands Norden ...“ Gesichert ist auch die Tatsache, dass die Römer unter Leitung des Feldherrn Quinctilius Varus eine empfindliche Niederlage erlitten haben. Sie verloren drei Legionen ihrer Elitetruppen. Davon haben sie sich nicht so schnell erholt. Angeblich soll der römische Kaiser beim Empfang der Schicksalsnachricht laut ausgerufen haben: „Varus, Varus, gib mir meine Legionen wieder!“ Die Niederlage der Römer hatte zur Folge, dass der Vormarsch nach Nordosten gestoppt war. Sie zogen sich wieder auf das linksrheinische Gebiet zurück und unterließen weitere Eroberungsversuche. Es gibt Zweifel, ob die gut ausgerüsteten und kriegserfahrenen römischen Legionen in einer einzigen großen Schlacht besiegt wurden. Einige Historiker vertreten die These, dass den Römer bei mehreren Gefechten hohe Verluste beigebracht wurden. Eine Theorie besagt, die ortskundigen Cherusker hätten die römischen Legionäre in unwegsame Sumpfgebiete gelockt und dort vernichtend geschlagen. Es scheint heute klar zu sein, dass die Kriegshandlungen nicht in den dichten Waldgebieten des Teutoburger Waldes stattgefunden haben, wie der römische Geschichtsschreiber Tacitus behauptet. Aber niemand kennt den genauen Ort der einen großen Schlacht oder der zahlreichen kleineren Kampfhandlungen. Nur das Ergebnis – die furchtbare Niederlage der Römer – gilt als sicher. Und dem siegreichen Helden mit dem Namen Hermann oder Arminius hat man das weithin sichtbare Denkmal im Teutoburger Wald gesetzt.

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